"Zeitungsbericht aus dem Jahre 1996"

 

Alte Dreschmaschine wird „aufgemöbelt“

   

Etwas wie Weihnachtsfreude kam am Nachmittag des Ostersamstags auf, als die „Freunde alter Traktoren Overledingerland“ ihre neueste Errungenschaft, eine alte englische Dreschmaschine (gebaut um 1920, nach Deutschland 1921 ausgeliefert) , laufen ließen. Im März vor einigen Jahren war dieses Wunderwerk der Technik von einigen Mitgliedern des Vereins von Ummendorf (bei Magdeburg) per Tieflader nach Rhauderfehn geholt worden.  „Der Boden war noch gut durchgefroren, so konnten wir die Dreschmaschine aus dem alten Schuppen herausholen, auf den Tieflader laden und hierher holen.“ Der gefrorene Boden war schon deshalb wichtig, weil das Umfeld der Scheune nicht befestigt ist, bei weichem Boden hätte man die tonnenschwere  Maschine nicht aufladen können.

 

Aber der Frost hatte natürlich seine Nachteile: „Es war ganz schön kalt auf dem Traktor“, meinten Georg Hammersen und Holger Müsker, denn mit einem alten Hanomag Trecker  - die alte Dreschmaschine im Schlepp - dauert eine Fahrt von Magdeburg nach Rhauderfehn seine Zeit. Auch der Traktor hatte seine eigene Geschichte: „Das ist ein altes Zirkusfahrzeug“ , erklärt Holger Müsker. Erst mußte der Traktor, der zum Antrieb der Dreschmaschine dienen sollte, angeschleppt werden - auch hier tat das Zirkusfahrzeug gute Dienste -, einige Qualmwolken, dann lief er. Zunächst mußte der Trecker wieder in Position gebracht werden, und dann lief die englische Dreschmaschine - ruhig und gelassen. „Das sind noch die alten Triebriemen“, erklärten die Vereinsmitglieder, „die Halten auch noch ewig.“ Weiter ging es um die Maschine herum. „Es gibt sehr viele Messingteile“, stellen sie anerkennend fest. Gut, es wird Zeit vergehen bis die Dreschmaschine im alten Glanz präsentiert werden kann, aber die Freunde alter Technik sind es gewöhnt Arbeit zu investieren: „Nach unserer Arbeitszeit darfst du nicht fragen“, meinten sie. Aber für sie lohnt es sich, denn sie sind begeistert bei der Sache. Und beim eigenen Traktorentreffen im Juli (auf dem Marktplatz in Ostrhauderfehn) will man die Maschine dann der Öffentlichkeit zeigen.

 

Daß die Dreschmaschine schon auf dem Tieflader beim Transport aufsehen erregt, kann man sich ja wohl vorstellen, schließlich mußte man langsam durch die Gegend fahren konnte selbstverständlich keine Autobahn benutzen. „Manchmal mußten wir Umwege machen, durch Innenstädte fahren“, erinnerten sich die Traktorenfreunde am Ostersamstag. Aber diese Mühen sind inzwischen vergessen, jetzt steht die Arbeit bevor. Und das bedeutet unter anderem auch, alles erst einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Sicher ist eines: Sie läuft.

 

„Entdeckt“ hat Georg Hammersen das gute Stück schon vor drei Jahren. Jetzt sind alle froh, die Maschine auf dem Gelände von Plümers an der Dosewieke zu haben: „Wir haben noch von keiner anderen Dreschmaschine aus England gehört“, sind die Vereinsmitglieder stolz auf diese Besonderheit. „Im Sommer wollen wir mal rüber nach England zu einem Treffen. Vielleicht bekommen wir dort weitere Informationen.“ Und wenn sie dann im Sommer die Maschine der Öffentlichkeit vorführen, dann werden sie gerne die Fragen der Besucher beantworten. Spätesten dann können sie sagen: „ Das haben wir erledigt“, aber, so wie man diese rund 25 Leute einschätzen darf haben sie sich bis dahin schon wieder eine neue Arbeit an Land gezogen.